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Referenten

Hauptreferat 1 – Do, 12. September 2013 – 09.00 – 10.00

Prof. Philippe JeammetDie Psychiatrie: ein von Übergängen herausgefordertes FachProf. Philippe Jeammet
Université Paris Sorbonne

Kurzabstract

Mehr als jedes andere medizinische Fach ist die Psychiatrie mit den Herausforderungen von Übergängen konfrontiert: den Übergängen zwischen Lebensabschnitten, zwischen Psyche und Trauma, Individuum und Gruppe, Medizin und Gesellschaft. Aufgrund der beschleunigten gesellschaftlichen Entwicklung und neuer Erkenntnisse, insbesondere im Bereich der Hirnforschung, befindet sich auch die Psychiatrie selbst an einem Übergang, der uns zwingt, die bestehenden Konzepte von psychischen Erkrankungen in Frage zu stellen und die Funktion von Psychiaterinnen und des Psychiatern neu zu definieren.

Französisch mit Simultanübersetzung Deutsch

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Hauptreferat 2 – Do, 12. September 2013 – 13.30 – 14.30

Dr. Stephan Becker Das Leben in verschiedenen Welten und die Übergänge zwischen verschiedenen Welten im Psychoanalytiker bzw. im Psychotherapeuten und in seinem Patienten: Die Transformation von Stadien der Desintegration in Stadien der Nicht-Integration.

Dr. Stephan Becker
Psychoanalytiker, psychoanalytischer Sozialarbeiter, Supervisor und Dozent in der Erwachsenenbildung, Berlin

Kurzabstract

In diesem Referat wird von Psychoanalyse psychotischer und randpsychotischer Menschen gesprochen, also von Struktur aufbauender Psychotherapie. Also der Umgang mit dem Mangel soll den Zugang zu Möglichkeitsräumen herstellen bzw. erschließen und konstruiert und rekonstruiert dabei Unbewusstes als noch nie Bewußtes im Kontext nie gemachter Erfahrungen.Die Transformation einer sogenannten Grundstörung zu Gunsten  einer sich langsam qualifizierenden Grundstimmung folgt dabei Strategien einer Erziehung des Unvertigen.Dabei verbinden sich psychische Reifung, emotionales und geistiges Wachstum in einem Neubeginn, wie Bqalint das nennt, bei der die Gefahr des Zerfalls der Person bzw. seiner Fragmentierung allmählich stabiler werdenden Stadien  der Nicht-Integration weicht : Der Schrecken eines "vielfärbigen"(begriff von Kant) verrückten  Ichs findet sich im Vermögen , in verschiedenen Welten zu leben , ohne  verselbständigten Spaltungstendenzen und multipler Persönlichkeitsbildung zu verfallen. Es geht dann darum zwischen diesen Welten zu unterscheiden, in Ihnen zu leben und Übergänge her zu stellen, die schöpferisch und haltgebend zugleich ein Leben ohne faulen inneren und äußeren Frieden zulässt.Da geht es dann um genügend gute und böse Freunde und Feinde, Ahnen,Wahlverwandte, nationale und internationale Kooperanten in Verbindung mit gekonntem Lieben und gekonntem Hassen., die gemeinsam Platz finden.

In seinem Spätwerk schildert Winnicott die Stadien menschlicher Freiheit entlang der Fähigkeit in mehreren verschiedenen Welten leben zu können.Will der Psychoanalytiker den Patienten vom Leben in psychotischen Sackgassen befreien, darf er selber nicht in Sackgassen leben und muß auch die Psychoanalyse bzw. Psychotherapie von den heute besonders stark sich ins Spiel bringenden Zwängen gesundheitspolitischer Eingrenzungen  seiner Lebenswelt und der des Patienten so weit auf Abstand gehen können, dass er die dem Patienten zu wünschende Freiheit ihm  direkt und indirekt vorlebt.Dass er dabei mit der offiziellen Gesundheitspolitik in Widerspruch gerät ist selber ein wichtiges Durchgangsstadium.

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Hauptreferat 3 – Do, 12. September 2013 - 16.30 – 17.30

Prof. Ilario RossiPsychische Gesundheit: Zeit des Wandels oder Wandel der Zeit?

Prof. Ilario Rossi
Universität Lausanne

Kurzabstract

Der Bereich der psychischen Gesundheit (Mental Health) steht im Wechselspiel mit Gesellschaft und Politik, Organisationskulturen, Berufspraktiken und individuellen Charaktereigenschaften. Er durchläuft zurzeit eine Phase tiefgreifender Veränderungen, die von einem zweifachen Integrationsprozess begleitet werden: einerseits die Einbindung der Psychiatrie im medizinischen Umfeld und andererseits der psychischen Gesundheit in der Gesellschaft. Als Antwort auf das von der Gesellschaft auferlegte Prinzip «Solidarität und Verantwortung» zur Erhaltung des Gemeinwohls dehnt sich Mental Health in den sozialen Bereich aus und handelt die Bedingungen für die Behandlung von psychischem Leiden und psychischer Krankheit neu aus. Bei der praktischen Umsetzung dieses Prinzips müssen sich die Institutionen und Fachleute jedoch mit einem empfindlichen Gleichgewicht auseinandersetzen: dem Gleichgesicht zwischen der zunehmenden Autonomie der Patienten und Patientinnen, die zu Akteuren der Prävention und der medizinischen Versorgung werden sollen, und der sozialen Kontrollfunktion durch fachlich fundierte Gesundheitserziehung. In diesem von Ambivalenz und Paradoxen geprägten Umfeld zeigt Mental Health die aktuellen Veränderungen auf und liefert Analysen dazu.

Französisch mit Simultanübersetzung Deutsch

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Hauptreferat 4 – Fr, 13. September 2013 – 09.00 – 10.00

Prof. Dr. Susann Heenen-Wolff Die Kunst des Zuhörens. Der analytische Prozess diesseits der Deutung

Prof. Dr. Susann Heenen-Wolff
Universität Louvain
Psychoanalytische Gesellschaft Paris

Kurzabstract

Der Vortrag untersucht auf systematische Weise die spezifischen psychischen Prozesse, die durch das analytische Zuhören ausgelöst werden. Es wird so deutlich, dass allein das „In-Worte-fassen“ in der analytischen Kur bereits Übergänge schafft und Veränderung ermöglicht.

Französisch mit Simultanübersetzung Deutsch

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Hauptreferat 5 – Fr, 13. September 2013 – 15.45 – 16.45

Dr. med., Dr. psychol. Evelin LindnerKonstruktive Veränderungsprozesse in der Behandlung von traumatisierten oder anders gedemütigten Menschen

Dr. med., Dr. psychol. Evelin Lindner
Human Dignity and Humiliation Studies (HumanDHS) - Gründungspräsidentin

Kurzabstract

Nach einem Erdbeben oder einem Unfall sind Menschen oft traumatisiert. Sie sind schockiert. Sie fühlen sich jedoch normalerweise nicht gedemütigt. Es ist ein Unterschied, ob Schmerzen durch höhere Gewalt verursacht werden, oder ob ein Mitmensch einen anderen demütigt. Die Schmerzen sind dann tiefer und schwerer zu überwinden. Fragen nach dem Selbstwert werden dann relevant, nach Rache oder Vergebung. In Ruanda wurde Völkermord begangen als Antwort auf gefühlte Demütigung. Im Fall der systemischen Demütigung durch die Apartheid in Südafrika wurden Wahrheitskommissionen eingesetzt. Nelson Mandela besaß die menschliche Größe, Demütigung nicht mit Vergeltung zu beantworten. Er hatte die Kraft, tiefgreifende systemische Veränderungen auf den Weg zu bringen, und zwar durch etwas, was Paulo Freire conscientização, oder Bewusstseinsbildung nennt. Aus der Tiefe des Schmerzes der Demütigung erreichte Mandela das höchste Niveau von Sinnhaftigkeit, wie es von Denkern wie Viktor Frankl beschrieben wird. Jeder Einzelne kann für sich selbst ein solches Niveau erreichen. Es bedarf jedoch einer gewissen Anstrengung. Mandela hätte sich in sein Privatleben zurückziehen können; er ist jedoch gegen ein ganzes System aufgestanden. Auch heute ist dieser Mut nötig. Es ist die Verantwortung jeden Bürgers, die Atmosphäre in der Gesellschaft so zu gestalten, dass diese Art von Sinnhaftigkeit nicht belächelt, sondern gefördert wird. Dazu gehört es, auf gesellschaftlicher Ebene umzudefinieren, was Eigennutz ist, und was Idealismus. Der Volksentscheidung zur Begrenzung von Managergehältern in der Schweiz ist ein vorbildliches Beispiel für die Welt.

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